Kirche St. Michael (Passau-Altstadt)

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Die Studienkirche St. Michael
Die Studienkirche St. Michael
Interieur der Studienkirche St. Michael (Foto: Martin Ortmeier

Die Kirche St. Michael (auch Studienkirche oder Jesuitenkirche) in der Passauer Altstadt wurde Ende des 16. Jahrhunderts errichtet und war die Kirche des ehemaligen Passauer Jesuitenkollegs. Sie ist heute eine Nebenkirche der Dompfarrei und außerdem die Studienkirche des Gymnasiums Leopoldinum. Die Kirche steht heute im Besitz des Freistaates Bayern.

Geschichte

Bereits 1320 ist eine Michaelskirche in der Michaeligasse nachweisbar. 1612 wurde das Jesuitenkolleg errichtet, dessen Hauskapelle 1616 geweiht wurde. Erst nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges konkretisierten sich die Pläne für den Bau einer eigenen Kirche. Als Architekt wurde der in Österreich tätige Pietro Francesco Carlone mit seinem Sohn Carlo Antonio Carlone verpflichtet.

Nach dem Stadtbrand von 1662 hatte jedoch die Wiederherstellung des Kollegs Vorrang. Als aufgrund eines Streits mit Fürstbischof Wenzeslaus Graf von Thun der Bau zum Erliegen kam, stand der Rohbau mit einem Notdach.

Am 31. März 1674 wurden durch einen Vertrag die Streitigkeiten zwischen dem Bischof und den Jesuiten beendet. In der Folge konnten die Jesuiten ihren Kirchenbau, der lange Zeit eingestellt war, weiterführen und 1676 vollenden. Am 31. Juli 1677 zelebrierte Fürstbischof Sebastian Johann Graf von Pötting den ersten Gottesdienst und vollzog am 14. November 1677 die Weihe. Zugleich wurde die Hauskapelle am Kolleg aufgelöst. Seit der Aufhebung des Jesuitenordens dient die Kirche als Studienkirche des Gymnasiums Leopoldinum. 1857 bis 1960, 1962 bis 1972 und 1978 bis 1984 wurde sie renoviert. Von September bis November 2008 wurde die Westseite der Kirche zunächst gereinigt, dann neu verputzt und schließlich wieder in den gewohnten Farben gestrichen. Diese Sanierung war unter anderem wegen eines altersbedingten Pilzbefalls notwendig geworden. Die Kosten beliefen sich auf rund 130.000 Euro.

Beschreibung

Die Kirche ist ein einschiffiger Barockbau mit zwei Westtürmen. An die Westfassade der Kirche schließt sich die Anfang des 18. Jahrhunderts errichtete Xaveri-Kapelle an. In dieser Seitenkapelle findet z.Z. die traditionelle Liturgie der römisch-katholischen Kirche im Bereich der Stadt Passau gemäß päpstlichem Recht und im bischöflichen Auftrag statt (Sonn- und Feiertagsmessen, Zelebrant Domvikar Dr. Anton Morhard).

Der Kircheninnenraum wird beherrscht von den üppigen Stukkaturen des Giovanni Battista Carlone. Die weitere Einrichtung wurde von 1678 bis 1720 vollendet: So stammen die sechs Seitenaltäre noch aus dem Jahr 1678, der Hochalter (errichtet von Jakob Pawanger nach einem Entwurf des Jesuiten Christoph Tausch) aber bereits aus dem Jahr 1712. Die Engelsfiguren des Hochaltars schuf Diego Francesco Carlone und das Altarblatt, welches den Engelssturz darstellt, wurde 1714 von Carlo Innocenzo Carlone gemalt. Die Kanzel schließlich entstand in der Zeit von 1715 bis 1720.

Gewölbe

Bauarbeiter sind im November 2010 an der Studienkirche auf ein Gewölbe gestoßen, das eine historische Gruft sein könnte. „Der Lage nach muss das Gewölbe auf jeden Fall älter als die Studienkirche sein“, ist die erste Einschätzung von Stadtarchäologe Dr. Jörg-Peter Niemeier. Denn das Bauwerk, das eventuell eine frühzeitliche Gruft darstellt, wird vom Fundament des auch als Jesuitenkirche bekannten Gebäudes beschnitten. Mit den unmittelbar angrenzenden Grablegen im Unterbau der Kirche – dort ruhen seit Jahrhunderten mehr als 50 Tote – habe das Gewölbe sicher nichts zu tun, darüber sind sich Stadtarchäologe Niemeier sowie Gerald Escherich und Norbert Sterl vom staatlichen Hochbauamt (die Jesuitenkirche gehört dem Freistaat) einig. Ob es sich um eine Gruft handelt, müssen nun weitere Untersuchungen zeigen. Die Geschichte der Jesuitenkirche ist jedenfalls noch in weiten Teilen unerforscht.

Entdeckt haben die womöglich historische Besonderheit Bauarbeiter, die im Auftrag des Hochbauamts eine Anpflanzung an der Nordseite der Jesuitenkirche entfernten. Dort soll ein kleiner Platz mit Bänken und Vorrichtungen für Schirme gestaltet werden, weil die Studienkirche immer wieder als Veranstaltungsraum genutzt wird.

Weitere Bilder

Siehe auch

Kontakt

Kirche St. Michael
Schustergasse 14
94032 Passau

Literatur

  • Karin Seidl: Gut gerüstet gegen den Zahn der Zeit. In: Passauer Neue Presse vom 1. September 2008 (S. 33)
  • Jörg Klotzek: Gruft bei Bauarbeiten freigelegt? In: Passauer Neue Presse vom 16. November 2010 (S. 19)
  • Peter Morsbach, Irmhild Heckmann, Christian Later, Jörg-Peter Niemeier: Denkmäler in Bayern, Band II.25 Kreisfreie Stadt Passau. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2014, ISBN 978-3-7917-2552-9

Weblinks